Polnische Hochzeitsbräuche

Im Laufe der Jahre haben sich einige hundert Traditionen, Sitten und Bräuche rund um die Hochzeit entwickelt und etabliert. Sie betreffen die Feierlichkeiten an sich, das Brautpaar oder auch das Benehmen der Gäste. Es gibt sehr viele regionale oder kulturelle Unterschiede, die auch oft im Detail liegen. Im Folgenden wird nur ein kurzer Abriss über die am meisten bekannten Sitten geliefert, die in der chronologischen Reihenfolge beschrieben werden:

Segnung durch die Eltern

Das ist eins der ältesten Hochzeitsbräuche, das traditionell unmittelbar vor der kirchlichen Hochzeit im Haus der Braut statt findet. Ursprünglich wurden hier bereits alle Gäste eingeladen. Das Brautpaar wurde durch die ältesten Familienmitglieder gesegnet. In der heutigen Zeit findet die Zeremonie im engsten Familienkreis statt, wobei der Segen durch die Eltern ausgesprochen wird. Danach begibt sich das Brautpaar in die Kirche. Unterwegs dorthin kann es durch symbolische Blockaden (s.g. Tore) aufgehalten werden aus den man sich herauskaufen muss. Diese Aufgabe übernimmt der Trauzeuge.

Kircheneinzug

Die Kirche wird zuerst vom Bräutigam mit seiner Mutter und den Trauzeugen betreten. Die Brautfrau wird durch den Vater in die Kirche begleitet und an den Bräutigam übergeben. Manchmal kommt es vor, dass das Brautpaar gemeinsam die Kirche betritt, befolgt von den Trauzeugen.

Nach der Messe

Nach der Hochzeit verlassen die frisch getrauten Eheleute gemeinsam die Kirche und werden von allen Gästen empfangen und begrüßt. An diese Stelle werden auch die ersten Wünsche entgegen genommen. Zuerst die Trauzeugen, danach die Eltern und Großeltern und anschließend die Familie und Bekannten. Oft werden Reis oder Kleingeld in die Höhe geworfen als Symbol für den zukünftigen Wohlstand. Das Kleingeld wird vom Brautpaar gemeinsam gesammelt. Es heißt: Wer das meiste Geld gesammelt hat, wird im gemeinsamen Zuhause das Sagen haben

Auf dem Weg zur Hochzeitsfeier

Auch hier gilt es eine bestimmte Reihenfolge zu beachten. Die Eltern fahren voraus, gefolgt vom Brautpaar und den Gästen. Um unnötige Wartezeit des Brautpaar vor dem Eintreffen aller Gäste zu vermeiden, kann man in Erwägung ziehen in der Zwischenzeit die Fotoproduktion stattfinden zu lassen.

Empfang und die Hochzeitsfeier

Bräutigam und Brautfrau werden von den Eltern mit Brot und Salz begrüßt. Dabei wird das Brot geküsst und der gereichte Vodka ausgetrunken. Die Gläser werden nach hinten geworfen. Die Scherben sollen Glück bringen. Danach werden die Scherben gemeinsam weggekehrt und die Braut vom Bräutigam über die Schwelle des Hauses getragen.

Bevor die Gäste an die Tische geleitet werden, gibt es den gemeinsamen Toast, dabei wird mit Sekt auf das Brautpaar angestoßen. Danach werden die Plätze eingenommen (heutzutage wird die Sitzordnung durch kleine Kärtchen zugewiesen; früher war es die Aufgabe der Eltern die Gäste entsprechend zu verteilen), wobei es auch hier eine traditionelle Sitzordnung gibt. Neben der Brautfrau nimmt der Vater des Bräutigams sowie der Trauzeuge Platz. Die Mutter der Brautfrau und die Trauzeugin sitzen neben dem Bräutigam. Dem Brautpaar gegenüber sitzen die Mutter des Bräutigams und der Vater der Brautfrau. Von der traditionellen Sitzordnung wird heute oft abgewichen.

Die Hochzeitsfeier dauert meisten die ganze Nacht bis in die frühen Morgenstunden. Dabei wird ausgiebigst gegessen und getrunken. Gereicht werden traditionelle polnische Speisen, die in mehreren Gängen über die ganze Nacht serviert werden. Abwechselnd zu den servierten Gängen wird getanzt, wobei der erste Tanz selbstverständlich dem Brautpaar gehört.

Schleierwurf

Um Mitternacht trennt sich die Braut von Ihrem Schleier und wirft den unter die anwesenden nicht verheirateten Frauen. Der Bräutigam wirft seine Fliege oder Krawatte zwischen die Junggesellen. Denjenigen, die die Hochzeitsutensilien gefangen haben, gehört der nächste Tanz.

Die Torte und der Rest der Nacht

Unmittelbar nach dem Schleierwurf wird die Hochzeitstorte angeschnitten und an die Hochzeitsgesäte verteilt. Manchmal folgt danach die Dankesrede an die Eltern, die die Hochzeit vorbereitet haben.

Getanzt und gefeiert wird bis in den Morgengrauen. Manchmal enden aber die Feierlichkeiten um eine vereinbarte Uhrzeit. Eine polnische Besonderheit stellt der zweite Tag nach der Hochzeit da, an dem oft eine zweite Feier im kleineren Kreis stattfinden (Poprawiny).

Weitere Hochzeitsbräuche weltweit

Andere Länder, andere Sitten. Eine Sammlung von Hochzeitsbräuchen weltweit findet man auf Brautbox.